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Zukunft des Zölibats?
Antworten

Azo



Beiträge: 844
Anmeldungsdatum: 1. März 2003

Verfasst am: 1. Oktober 2004, 22:31

Manfred Scheuer, seines Zeichens Bischof der Erzdiözese Innsbruck, hat mit seinem Kommentar über den Zölibat für Aufregung gesorgt. Der Zölibat sei grundsätzlich gerechtfertigt, aber es sollte auch angedacht werden, ob nicht Priester auch in Partnerschaften leben dürfen sollten.

Folgt nun eine Zurechtweisung des "aufmüpfigen" Bischofs? Oder wird nicht weiter auf den liberalen Vorschlag eingegangen?
Linzi



Beiträge: 482
Anmeldungsdatum: 1. März 2003

Verfasst am: 2. Oktober 2004, 18:40

Ich bin der Meinung, dass jeder, der Priester werden möchte wissen muß, was da auf ihn zukommt. Daß es das Zölibat gibt, ist ja kein Geheimnis, oder?

Daß Zölibat abzuschaffen, um mehr Männer zum Priesteramt werben zu können, halte ich für QUATSCH !!! Denn die Kirche ist doch kein Limonadenhersteller, der auf soeine Art und Weise Werbung betreiben muß.

Ich hoffe doch sehr, dass jetzt nicht die Vorfälle in der Diozöse St. Pölten als Anlaß genommen werden, das Zölibat aufzuheben, "damit sich die Priesterseminaristen anderwertig abreagieren können".

Eine Institution, die weltweit vertreten ist und nun schon 2000 Jahre existiert wird doch über die Phase der überhasteten Aktionen hinaus sein.

Darüber hinaus hätte die Aufhebung ja auch wirtschaftliche Folgen.
Wieviel Mehrverdienst benötigt ein Priester mit Familie?
Was passiert, wenn die Partnerschaft in die Brüche geht? Stichwort: Unterhaltszahlungen

Nach dem Motto: "Wer soll das bezahlen?" Den Kirchenbeitrag in seiner jetzigen Höhe wollen schon jetzt nur mehr wenige akzeptieren.

Ich denke das sind alles Fragen, die im Vatikan schon lange diskutiert werden, und wir werden es alle erfahren, sobald eine solide Antwort auf diese Frage gefunden wird.

"Die Mühlen im Vatikan mahlen langsam," ist erst vor kurzem in der Zeitung gestanden, trotzdem schläft die Kirche nicht.

lg Linzi
Boris



Beiträge: 803
Anmeldungsdatum: 1. März 2003

Verfasst am: 3. Oktober 2004, 09:13

Man könnte auch auf schon bewehrte Systeme zur Pflegung des Zölibats zugreifen - ich denke hier wie die Orthodoxen es pflegen.
Soweit ich es beurteilen kann, gibt es bei den Orthodoxen fast gar keine Vorfälle und Diskussionen darüber!
Rhodan



Beiträge: 890
Anmeldungsdatum: 1. März 2003

Verfasst am: 3. Oktober 2004, 15:36

Linzi schrieb:
Ich bin der Meinung, dass jeder, der Priester werden möchte wissen muß, was da auf ihn zukommt. Daß es das Zölibat gibt, ist ja kein Geheimnis, oder?


Lieber Linzi, das ist aber höchst eigenartig. Du verlangst also von einem -sagen wir 20-jährigem- der sich für den Priesterberuf interessiert, dass er für die nächsten 60 bis 70 Jahre seines Lebens weiß, dass er sich nicht in eine Frau (oder einen Mann) verliebt?

Nix für ungut, aber ich glaube das kann man von keinem Menschen ernsthaft verlangen. Wie denn auch?!
Bei jedem "normalen" Menschen ist das aber kein Problem, wenn er z.B. mit 40 draufkommt, dass sein Berufswahl eventuell mit Konsequenzen verbunden ist, die er nicht mehr tragen möchte. Ein Priester mit 40, der jedoch heiraten will, wird - no na net - einmal entlassen und steht dann, zumeist mittellos und "ungelernt" für dem finanziellen Nichts.

Was bleibt Priestern in solch einer Situation also? Nur die Lebenslüge bzw. innerkirchlich "Pfarrersköchin" genannt.

Und hier spreche ich noch von "normalen" sprich heterosexuellen Beziehungen. Was das anormale betrifft, zu dem diese Lebensform ganz offenbar führen kann, kann man ja oft genug nachlesen.

Meine Lösung:
Freiwilliges Zölibat. Wer kann, der soll. Wenn's nicht geht, dann eine Exit-Strategie.

Linzi schrieb:
Daß Zölibat abzuschaffen, um mehr Männer zum Priesteramt werben zu können, halte ich für QUATSCH !!! Denn die Kirche ist doch kein Limonadenhersteller, der auf soeine Art und Weise Werbung betreiben muß.

Beantworte die Frage doch selbst: welcher Typ (Typ: sexueller Neigung) fühlt sich wohl EHER angesprochen mit dem derzeitigen "Programm"?

Linzi schrieb:
Ich hoffe doch sehr, dass jetzt nicht die Vorfälle in der Diozöse St. Pölten als Anlaß genommen werden, das Zölibat aufzuheben, "damit sich die Priesterseminaristen anderwertig abreagieren können".

Tschuldigung, was gibt DIR das Zolibat, dass Du hoffst dass es nicht abgeschafft wird?! Und was in diesem Zusammenhang vom Abreagieren verstanden werden soll, das weiß ich auch nicht.

Linzi schrieb:
Eine Institution, die weltweit vertreten ist und nun schon 2000 Jahre existiert wird doch über die Phase der überhasteten Aktionen hinaus sein.

Überhastet???? Nehmen wir mal den guten Kurtl Krenn. Der schützt seit Jahren Kinderschänder wie den ebenso guten Hans Hermann, den ja in ganz Österreich nur noch ein bis zwei Amelungen für unschuldig halten. Über die x-te Affaire ist er jetzt gestolpert. Was ist jetzt "überhastet"?

Linzi schrieb:
Darüber hinaus hätte die Aufhebung ja auch wirtschaftliche Folgen.Wieviel Mehrverdienst benötigt ein Priester mit Familie?
Was passiert, wenn die Partnerschaft in die Brüche geht? Stichwort: Unterhaltszahlungen

Das ist ja der wahrscheinliche Grund: Geld. Dann möge man aber bitte nicht mit dem Glauben argumentieren.
Linzi schrieb:

Nach dem Motto: "Wer soll das bezahlen?" Den Kirchenbeitrag in seiner jetzigen Höhe wollen schon jetzt nur mehr wenige akzeptieren.

Im Gegensatz zu den meisten Studenten, auch hier bei Amelungia, zahle ich wenigstens. Die meisten - obwohl mach einer nicht schlecht und vor allem während des ganzen Jahres vein Einkommen bezieht, kreuzeln ja nur "Student" an, und nicht... egal, ist ein anderes, wenngleich ähnlich verlogenes Thema. Aber ja: für Anwaltskosten möchte ich nicht dass mein Kirchenbeitrag draufgeht.
Cyrano



Beiträge: 1037
Anmeldungsdatum: 1. März 2003

Verfasst am: 5. Oktober 2004, 10:00

Also lieber Rhodan.... du schreibst wie der blinde von der Farb....

Also dass ein Priester "ungelernt" ist und vor dem finanziellen Nichts nach der Niederlegung seines Amtes steht ist absoluter Blödsinn.
Ein Priester hat ein abgeschlossenes Studium (im Gegensatz zum Beispiel zu dir ...... oder auch mir).
Ausserdem wirst du doch auch wissen, dass der gute Leibnitz, der jetzt als Anwalt arbeitet durchaus kein Einzelfall ist.

Nun du bezeichnest es als höchst eigenartig, dass ein 20jähriger wissen soll, ob er sich mit 60 verliebt.

Das find ich ziemlich interessant, dass du das als Verheirateter sagst. Denn bei der (kirchlichen) Eheschließung sagst du genau das. Nämlich, dass du dich mit 60 nicht (in eine jüngere) verlieben wirst.
Wenn es unsinnig ist, sich mit 20 und 30 fürs Zölibat zu entscheiden, dann ist es genauso unsinnig sich im gleichen Alter für das Sakrament der Ehe zu entscheiden (nicht natürlich für die standesamtliche Ehe).
Ähnlich ist es mit dem Priesteramt. Schaffen wir die Weihe ab, denn die soll der heute geweihte wissen, dass er in 30 Jahren immer noch Priester sein will?

Welcher Typ sich zur Priesterweihe angesprochen fühlt, ist eine lächerliche Frage. Rhodan nenne mit 15 Priester die du persönlich kennst. (Und komm nicht mit dem Quatsch aus den Medien von wegen alle sind homosexuell).
Dass es in der Kirche Personen gibt, die vor der Welt weglaufen wollen hat es wohl immer gegeben und wird es immer geben.
Ich schließ mich da dem Linzi an. Das Zölibat abzuschaffen um damit dem Priestermangel zu beseitigen halte ich für wenig sinnvoll.
Auf jeden Fall gibt es unzählige priester, die das Zölibat einhalten. Das sollten die Zölibatkritiker nicht vergessen!

Dass Krenn an einer Affäre gestolpert ist, halte ich auch ein bisserl für eine Medien geprägte Ansicht. Rhodan, du tust so, als wäre in St. Pölten alles eitle Wonne, abgesehen davon, dass die Seminaristen und der Regens homosexuelle Handlungen untereinander gemacht haben und Kinderpornos aus dem Netz geladen wurden.

In St. Pölten geht es seit Jahren drunter und drüber und auch wenn immer wieder betont wird, dass Krenn nicht aus gesundheitlichen Problemen zurücktrat, so ist sein Alkoholproblem schon seit längerem (und auch vor der Affäre jetzt) ein offenes Geheimnis.

Und noch was: interessant find ich immer, dass die, die brüllen "Weg mit dem Zölibat" niemals Theologie studieren würden.
Die Priester sollen das gefälligst selbst lösen.
Ich werde nicht einen Laien (oder einen ausgetretenen, wie es der ORF immer wieder macht) zum Priesteramt befragen.


Nebenbei zu glauben, dass es ohne Zölibat keine homosexuellen Priester gibt, die Kinderpornos anschauen, ist schon ein bisserl naiv.
Wenn jetzt (heterosexuelle) Priester heiraten dürften hat das absolut 0 Auswirkung auf homosexuelle Priester.
Rhodan



Beiträge: 890
Anmeldungsdatum: 1. März 2003

Verfasst am: 5. Oktober 2004, 11:23

Cyrano schrieb:
Also lieber Rhodan.... du schreibst wie der blinde von der Farb....

Jessas, der Cyrano, der sieht ja auch nur schwarz-weiß, na das kann was werden....

Cyrano schrieb:
Also dass ein Priester "ungelernt" ist und vor dem finanziellen Nichts nach der Niederlegung seines Amtes steht ist absoluter Blödsinn.

Na selbstverständlich, wenn Du das sagst.
Cyrano schrieb:
Ein Priester hat ein abgeschlossenes Studium (im Gegensatz zum Beispiel zu dir ...... oder auch mir). Ausserdem wirst du doch auch wissen, dass der gute Leibnitz, der jetzt als Anwalt arbeitet durchaus kein Einzelfall ist.

Dein Beispiel mit dem Juristen legt nahe,dass der neben Theologie auch noch Jus studiert hat. Ich gratuliere zu der Erkenntnis, dass der nicht ungelernt ist. Aber was macht deiner Meinung nach einer aus dem Kloster oder jemand der nur Theologie studiert hat? Der aus dem Kloster hat unter umständen nicht mal einen Volksschulabschluss (und ja da kenn ich wen).

Cyrano schrieb:
Nun du bezeichnest es als höchst eigenartig, dass ein 20jähriger wissen soll, ob er sich mit 60 verliebt.

Das find ich ziemlich interessant, dass du das als Verheirateter sagst. Denn bei der (kirchlichen) Eheschließung sagst du genau das. Nämlich, dass du dich mit 60 nicht (in eine jüngere) verlieben wirst.
Wenn es unsinnig ist, sich mit 20 und 30 fürs Zölibat zu entscheiden, dann ist es genauso unsinnig sich im gleichen Alter für das Sakrament der Ehe zu entscheiden (nicht natürlich für die standesamtliche Ehe).
Ähnlich ist es mit dem Priesteramt. Schaffen wir die Weihe ab, denn die soll der heute geweihte wissen, dass er in 30 Jahren immer noch Priester sein will?
Nicht die Weihe soll abgeschafft werden, das hat niemand verlangt, also erfinde es nicht dazu. Aber so wie es für Mann und Frau eine Exit-Strategie gibt, nämlich die Scheidung, so muss es doch auch einen Weg geben, wenn ein Priester öffentlich seine Liebe zu einer Frau bekundet und heiraten will. Kann aber aber nicht! Konsequenz...

Was Deine Argumention mit der Ehe betrifft... so what? Du sprichst genau das Problem der Ehe an, und genau deshalb gibts auch so viele Scheidungen. Dennoch ist eine Scheidung eben nicht mit den selben Konsequenzen verbunden, wie die Heirat eines Priesters (was ja eigentlich ja sogar etwas positives ist!).

Cyrano schrieb:
Welcher Typ sich zur Priesterweihe angesprochen fühlt, ist eine lächerliche Frage.

Findest Du? Was ist das lächerliche daran? Die Frage mag unbequem sein, aber natürlich darf sie gestellt werden.

Cyrano schrieb:
... Das Zölibat abzuschaffen um damit dem Priestermangel zu beseitigen halte ich für wenig sinnvoll.
Auf jeden Fall gibt es unzählige priester, die das Zölibat einhalten. Das sollten die Zölibatkritiker nicht vergessen!

Auf was auch immer du hinauswillst.... dennoch argumentierts du nicht gegen meinen Vorschlag das PFLICHTzölibat abzuschaffen! Das wär doch eine sanfte und vor allem gangbare Lösung.

Cyrano schrieb:
Dass Krenn an einer Affäre gestolpert ist, halte ich auch ein bisserl für eine Medien geprägte Ansicht. Rhodan, du tust so, als wäre in St. Pölten alles eitle Wonne, abgesehen davon, dass die Seminaristen und der Regens homosexuelle Handlungen untereinander gemacht haben und Kinderpornos aus dem Netz geladen wurden.

In welcher Weise tue ich so als wär sonst alles Eitel Wonne? Ich mach schon meine "Sager" selbst, aber was ich nicht mag ist, wenn man mir irgendetwas unterstellt. Der Krenn ist eine Fehlbesetzung allerersten Ranges, jeder weiß das, vor allem der Vatikan. Die Bischofkonferenz weist seit Jahren darauf hin. Was passiert? Nix.

Krenn ist also nicht über eine Affaire gestolpert? Reiner Zufall dass der Vatikan die Fehlbesetzung erkannt hat, gerade jetzt?

Cyrano schrieb:
Und noch was: interessant find ich immer, dass die, die brüllen "Weg mit dem Zölibat" niemals Theologie studieren würden.
Die Priester sollen das gefälligst selbst lösen.
Ich werde nicht einen Laien (oder einen ausgetretenen, wie es der ORF immer wieder macht) zum Priesteramt befragen.

Wieso soll ich Theologie studieren, um eine Meinung zu äußern? Darf ich mich zu einem Musikstück kritisch melden, auch wenn ich nicht Musikwissenschaftler bin? Auch nicht? Wie wärs wenn ich ein Fußballspiel kommentieren, ohne Sport studiert zu haben?

Nein Cyrano, man darf im allgemeinen schon auch seine freie Meinung haben, ohne Zertifkat der jeweiligen Fachrichtung. Andernfalls dürftest Du ja hier jetzt auch nix schreiben?

Cyrano schrieb:

Nebenbei zu glauben, dass es ohne Zölibat keine homosexuellen Priester gibt, die Kinderpornos anschauen, ist schon ein bisserl naiv.
Wenn jetzt (heterosexuelle) Priester heiraten dürften hat das absolut 0 Auswirkung auf homosexuelle Priester.

Und ich lass mir vieles vorwerfen aber nicht Naivität. Natürlich werden nicht alle Kinderschänder verschwinden, das behauptet ja auch niemand. Aber Homosexualität verdammen, aber selbst so leben, das ist halt schon ein starkes Stück. Hat im übrigen nicht mal was mit dem Zölibat zu tun.

Aber letztlich: ICH muss mich nicht rechtfertigen, das Problem hat nämlich die Kirche. Einen Verteidigungsreflex zu entwickeln hilft da der Kirche in Wahrheit nur in solchen Diskussionen, nicht aber im Kern. Und wenn man das Problem nicht einsehen will, dann wird die Kirche weiterhin Mitglieder verlieren. "Einzeltäter", "Schwarzes Schaf",... jaja reiner Zufall dass die Kirche in allen Ländern der Welt wo diese "Schwarzen Schafe" in Erscheinung getreten sind, exakt gleich gehandelt hat (leugnen, versetzen, verschweigen, alles mit Wissen der Vorgesetzten). Krenn hat die Kirche schon 100.000nde gekostet, was ja auch finanziell der Kirche weh tut.

Aber es ist mir eigentlich zu mühsam deshalb:
Ja das sind alles bedauernswerte Einzelfälle. Dass Vorgesetzte in USA, Polen, Österreich, Frankreich, Australien, .... Kinderschänder immer nach dem selben Muster nur versetzt haben, und die Vorfälle teils mit Schweigegeld gelöst haben, ist ein unglücklicher "Zufall".
Homosexualität ist eine Krankheit und kann geheilt werden (frei nach Laun), sie haben unser Mitleid.
Das Zölibat ist eine natürliche Lebensform, wie Gott sie für Säugetiere vorgesehen hat. Dass das Unterdrücken des Fortpflanzungstriebes ohne weiteres nicht möglich sei, behaupten nur links-linke Nicht-Theologie-Studierende.
Sollte wieder jemand mit dem Argument kommen, dass Vorfälle mit Kindern bei Priestern recht häufig vorkommen, dann begegne ich ihm von nun an auch mit dem Argument, dass in Familien der Anteil an Missbrauch noch viel höher ist (was auch immer das bedeutet..?!)
Die Kirche hat kein Problem.
Cyrano



Beiträge: 1037
Anmeldungsdatum: 1. März 2003

Verfasst am: 6. Oktober 2004, 11:41

Nun, was das Argument betrifft, dass sich Priester und Theologen zum Zölibat äußern sollen:

Natürlich kann ein völlig unmusikalischer Mensch einen Esay über Beethovens 9. schreiben. Aber mir ist das völlig gleich, was der sagt.
UNd ebenso wird es dir wurscht sein, wenn ich einen Artikel über Netzwerke schreibe
Und genauso muss es der Kirche egal sein, was irgendwelche Laien über den Zölibat meinen.
Nun, mich interessiert deine Meinung. Mich interessiert generell die Meinung von Kritikern. Aber man sollte sich nicht erwarten, dass jetzt Rom irgendetwas aufgrund der Diskussionen tut.

Rom wird sich frühestens dann damit beschäftigen, wenn Theologen, fertige Priester den Zölibat aufheben wollen. Wenn irgendwelche Gläubigen irgendwo irgednwas aufheben wollen, nun dann wird sich vielleicht damit irgendwer beschäftigen, aber wohl kaum ernsthaft eine Abschaffung andenken.
Denn niemand weiß, ob bei Wegfall des Zölibats jetzt tatsächlich unglaublich viele junge Männer Priester werden wollen.
Ich seh das ein bisserl, wie in der Verbindung. Ich brauch nicht über die Aufnahme von Frauen diskutieren, wenn es keine gibt, die beitreten wollen.


Natürlich gibt es auch unstudierte nicht-Laiene nur sind die doch keine Priester. Und in der Folge nicht geweiht, oder? (Oder täusche ich mich?)

Ich verstehe nicht ganz, warum du den Priestern die Exit- Strategie absprichst.
Es gibt genügend Priester, die ausgetreten sind und geheiratet haben und jetzt als Psychotherapeuten Juristen oder meinetwegen als Straßenkehrer arbeiten.
Es ist möglich. Ich verstehe nicht ganz den Unterschied, den du zwischen Scheidung und Priesterweihe machst.

Man ist für sein ganzes Leben als Priester geweiht und (bis zum Tod des Partners) für sein ganzes Leben verheiratet. Da ist doch kein Unterschied, oder?


O.k. du willst den PFLICHTzölibat abschaffen. (und ich hoffe, ich interpretiere nicht wieder dazu).
Wie soll das praktisch aussehen? Sollen Priester sich am Anfang entscheiden oder sollen sie zölibatär leben, solange sie keine Frau finden? Und soll es ein Wahlzölibat geben? Soll man sich bei der Weihe entscheiden, was man will?
Eine Abschaffung des Pflichtzölibats ist eine Abschaffung des Zölibats, es sei denn, man kann sich bereits bei der Weihe für das Zölibat entscheiden.
Und dann wäre erst recht wieder das Problem, dass sich welche, die sich bei der Weihe für das Zölibat entscheiden später wieder Rückzieher machen wollen/ müssen, weil sie mit 30 nicht abschätzen können, ob sie sich mit 60 verlieben.
Also worin liegt genau der unterschied zwischen Abschaffung des Pflichtzölibats und des Zölibats.
(ein freiwilliges Zölibat besteht ja sowieso in der Gesellschaft. Denn niemand muss heiraten).
[sue]



Beiträge: 4
Anmeldungsdatum: 21. Oktober 2004

Verfasst am: 21. Oktober 2004, 18:37

Und genauso muss es der Kirche egal sein, was irgendwelche Laien über den Zölibat meinen.


AUA, das tut weh!!! es kann der kirche (und rom) also vollkommen gleichgueltig sein, was ihre glaeubigen denken???

na dann wundert es mich ganz und gar nicht, dass es so viele kirchenaustritte gibt. denn glaube heisst fuer die wenigsten menschen "stilles gehorsam" eine kirche muss mitgestaltbar sein, sonst ist sie unattraktiv. oder meint ihr wirklich, dass man mit allem einverstanden sein muss, was die kirche macht, was sie machen wird und gemacht hat?
also ich nicht. kritik kann sehr konstruktiv sein. vielleicht sollte das verstaubte rom, der verstaubte stephansdom und auch einige der verstaubten amelungen mal ein wenig aufmerksamer gegenueber der kritik sein (und damit meine ich nicht, zu beteuern, dass man andere meinungen hoeren will, sondern dass man anderen meinungen auch wirklich ZUhoert).

und auch wenn das beispiel nicht perfekt ist:
duerfen also nur leute, die politiker/innen sind oder werden wollen, darueber reden, was die bedingungen/hintergruende/pflichten/rechte von politiker/innen sind? na ich hoffe nicht.

Ich seh das ein bisserl, wie in der Verbindung. Ich brauch nicht über die Aufnahme von Frauen diskutieren, wenn es keine gibt, die beitreten wollen.


woher willstn das wissen? nur weil du keine kennst, die priesterinnen werden wollen (oder eurer verbindung beitreten wollen) heisst das noch lange nicht, dass es keine gibt. wenn es das angebot nicht gibt, kommt auch wenig nachfrage (immerhin KANN frau ja nonne werden und frau kann auch in ne maedchenverbindung gehn).

mfg, sue schwarz
Cyrano



Beiträge: 1037
Anmeldungsdatum: 1. März 2003

Verfasst am: 22. Oktober 2004, 11:41

Dann gestalte die Kirche mit!
Keiner wird dich daran hindern. Du kannst in der Jugendarbeit aktiv sein, du kannst eine gebetsgruppe gründen, du kannst den Gottesdienst gestalten, kannst Kirchenmusik machen, du kannst eine Diskussionrunde zum Thema Zölibat gründen, Theologie studieren und anschließend predigen. Du kannst dich in der katholischen Aktion engagieren oder in unzähligen anderen Vereinen und Organisationen, vom Opus Dei und Fokulare bis hin zu "Jugend eine Welt" oder Caritas.
Du kannst gestalten.
Aber du kannst nicht was gestalten, wovon du keine Ahnung hast und wovon du dich nie wirklich beschäftigt hast.
Du kannst nicht verlangen, dass du jetzt das Kirchenrecht gestalten kannst, oder dass du den Katechismus neu schreiben darfst.
Warum soll es den Finanzminister interessieren, wenn du die Steuer XY für überflüssig hältst?
Warum soll es Bush interssieren, ob du gegen den Irak Krieg bist?
Natürlich darfst du nach Herzenslust diskutieren und darüber reden, auch ohne Fachmann zu sein.
Aber zuhören wird man dir nur, wenn du etwas sagst. Und damit mein ich, wenn du mehr sagst, als nur das, was Rom der Stephansdom und eigentlich jeder schon x Mal gehört hat:
"Den Zölibat gab's ja nicht immer", "Männer brauchen Sex" etc.
Aber erwarte bitte nicht, dass die Kirche (oder der Staat) darauf reagieren.

Und noch was: Nun natürlich will jeder gehört werden und auch ich würde gerne in der Kirche oder im Staat mitbestimmen.
Nur Demokratie hat einen wesentlichen Nachteil: Es zählt auch die Stimme jener, die sich mit etwas 0 beschäftigt haben und keine Ahnung haben.
Es ärgert mich, dass meine Nachbarn, die keine Ahnung haben, wie unserer Bundeskanzler heißt, zur Wahl gehen und den wählen, der ihnen einen populistischen Schrott vorsetzt und ihnen das "blaue" vom Himmel verspricht.

Und genau das ist der Grund, warum Rom jetzt nicht auf "irgendwen" hören wird, der jetzt gegen den Zölibat argumentiert.
Nun studiere Theologie, lies die wissenschaftliche Literatur zum Thema "Zölibat". Und dann kannst du erwarten, oder zumindest erhoffen, dass Dir der Stephansdom oder der Papst oder wer auch immer zuhört.
[Von uns Amelungen brauchst du dir das übrigens nicht erwarten. Wir haben das Recht, zuzuhören, wem wir wollen. Ätsch.]




Beiträge:
Anmeldungsdatum: Heute

Verfasst am: 22. Oktober 2004, 17:18

Eure Diskussion, liebe Bundesbrüder, ist interessant und spannend. Dazu einige Gedanken. Bischof Krenn ist nicht am Skandal im Priesterseminar St. Pölten gescheitert. Dass Fass war voll und der Skandal war der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Die Probleme in der Diözese St. Pölten sind weit tiefgehender als dieser Sex- u. Pornoskandal. Krenn hat die Diözese gegen den Großteil von Kirchenvolk und Klerus geleitet, auf falsche Ratgeber gesetzt, die Bischofskonferenz blockiert, das Communio-Prinzip (für die die Kirche ein ganz wesentliches Element) mißachtet.
Bischof Scheuer von Innsbruck hat vor kurzer Zeit betreff Priesternachwuchs nichts Neues gesagt Er hat nur Altes wieder in Erinnerung gerufen. Tatsache ist, dass wir in weiten Bereichen der Kirche Pristermangel haben (wie etwa in Österreich, Deutschland, Frankreich, Belgien, Südamerika). Allein in der Diözese Wien sind über 50% der aktiven Priester über 60 Jahre alt. Der geweihte Priester ist aber für jede Gemeinde unverzichtbar. Gibt es nicht für Gegenwart und Zukunft Zugänge zum Priesteramt wie in den ersten kirchlichen Jahrhunderten? Etwa in Richtung "viri probati"- wie jetzt schon bei den Diakonen? Dies wollte Bischof Scheuer wieder in Erinnerung rufen.
Das Problem allein auf die Zölibatsfrage zu reduzieren halte ich für zu oberflächlich und zu kurz. Es ist primär ein Frage des Glaubens, der Gottes-/Christusbeziehung, der Spiritualität. Da gibt es enorme Defizite in den Familien, im Kirchenvolk. Wie soll sich jemand für den Pristerberuf als Lebensentwurf entscheiden, wenn es an oben angeführten wichtigen Voraussetzungen fehlt? In der Frage der Priesterberufungen ist Qulität und Quantität derzeit notwendigst.
Liebe Bundesbrüder, dskutiert weiter über dieses Thema, aber schließt dieses Thema bitte auch in euer Gebet ein!
Powidl



Beiträge: 39
Anmeldungsdatum: 1. März 2003

Verfasst am: 23. Oktober 2004, 10:26

Ich wollte mich eigentlich schon längst zum Thema äußern: es betrifft mich ja schließlich (wie alle wissen) existentiell, jetzt ist mir Samson zuvorgekommen. Alles will ich zwar nicht unterschreiben, aber mit dem wesentlichen Grundgedanken gehe ich d'accord: es fehlt in unserer Gesellschaft und vielleicht auch in unserer Kirche das Klima, um geistliche Berufungen zu schaffen und ihr Wachsen zu ermöglichen. Ich stelle eine möglicherweise kühne These auf: wünscht sich die eigene Familie, die Pfarre, auch die Verbindung von Herzen Priester, will sie sie und betet sie auch darum, so ist es für einen jungen Mann diese positive Grundstimmung, die dem Ruf Gottes, den er möglicherweise leis in sich verspürt, unterstützend zu Hilfe kommt. Gott und der Mensch wirken zusammen. Und dann, wenn er vom Ruf und der Liebe Gottes ergriffen ist, spielt irgendeine Voraussetzung für ihn keine Rolle: ich meine den Zölibat. Jedoch: damit rede ich keinem falschen Zölibatsverständnis das Wort: man hat sich, da es die eigene Person angeht, damit zu beschäftigen und auseinanderzusetzen! Versetzen wir uns jetzt in die heutige Situation: da wird räsonniert, geklagt, teilweise auch auf recht niedrigem Niveau: Priester ja, aber bloß nicht mein Sohn! Da wird diskutiert über Zugangsbedingungen, Strukturen, Formen! Was um alles in der Welt sollte in so einer Situation einen Menschen bewegen, Priester zu werden, wenn ihm selbst innerkirchlich nur der Wind ins Gesicht bläst. Nicht durch ausdrückliches Abhalten, aber doch durch ein schon angesprochenes Klima. Gott bindet sich ja an den Menschen und an seinen freien Willen. Strukturdiskussionen sind nicht der Weg zu mehr Priestern (und Ordensleuten)! Deshalb auch von mir der Aufruf: nehmt das Anliegen in Euer Gebet!
[sue]



Beiträge: 4
Anmeldungsdatum: 21. Oktober 2004

Verfasst am: 27. Oktober 2004, 05:17

hallo nochmal

@cyrano: also diese "laien sollen sich raushalten, aber arbeiten duerfen sie schon fuer die (kirchen)gemeinde" und "amelungen haben das recht zuzuhoeren, wem sie wollen"-diskussion koennen wir gerne mal persoenlich weiterfuehren, ich glaube, das bringt hier nichts, denn das wuerde zu sehr vom thema abschweifen.
aber vielleicht schaff ichs ja heuer zur krambambuli-kneipe zu kommen ;-)

zu st-poelten muss ich samson recht geben, krenn hat zuviel angesammelt als dass man sagen koennte, er ist "nur" daran gescheitert. dieser eine skandal war vielleicht ausloeser, aber nicht alleiniger grund fuer sein scheitern.

powidl: ich gebe dir grundsaetzlich recht. jedoch bin ich nicht der meinung, dass beten "allein" da hilft. denn diese - von dir verlangte - positive grundstimmung hat leider in vielen pfarren keinen guten boden, um zu wachsen.

ich muss da z.b. den priester in unserer pfarre nennen, der sich meiner meinung nach nicht um die seelen seiner gemeindemitglieder sondern nur um seine eigene sorgt. er stoesst alle vor den kopf, die sich engagieren wollen, nur weil sie vielleicht nicht alles so machen moechten wie er es will. damit vergrault er eigentlich alle, die das was er nicht kann, kompensieren koennten. so behindert er die kinder-und jugendmessen, macht damit jene, die sich darum gekuemmert haben, wahnsinnig und bringt sie dazu, aufzuhoeren, mitzuarbeiten. nur weil er blockt.
und dann beschimpft er in den sonntagsmessen die glaeubigen, die zu hause blieben und jene, die selbst in die kirche kommen, aber die kinder nicht mitnehmen (nie direkt, aber seine predigten sind eindeutig).
das alles ist nicht gerade "motivierend" - weder motiviert es, sich zu engagieren, noch motiviert es, bei ihm in die kirche zu gehen. viele weichen einfach aus und gehen in andere gemeinden in die messe(n) oder gehen gar nicht mehr hin. es existiert halt eine gewisse erwartungshaltung gegenueber priester(anwaerter) und dieser werden sie selten gerecht.

und genau das ist das problem - da es priester gibt, die an sich denken und sonst an niemanden, die den glaeubigen keine hoffnung geben, sondern sie dauernd auf ihre suenden stossen, die keine ZEIT haben, fuer die belange der gemeinde, .... und da es leider immer wieder vorfaelle von kindesmissbrauch und aehnlichem gibt - es fehlt das vertrauen in die priester. die "wenigen" (so wenige sinds wahrscheinlich nicht, aber man kennt meist wenige), die ein positives licht verspruehen, werden da natuerlich oft vergessen.
darum will diesen job kaum noch jemand machen und kaum eine familie oder gemeinde motiviert junge leute dazu, priester zu werden.

und auch wenn ich persoenlich das zoelibat fuer verstaubt und unnoetig halte, so glaube ich trotzdem nicht, dass es einen grossen effekt auf die quantitaet der priesterseminaristen haben wuerde.

mfg, sue




Beiträge:
Anmeldungsdatum: Heute

Verfasst am: 5. November 2004, 08:44

Die Juristen sagen: de abusu non argumentetur!
zu deutsch: Mißbrauch ist kein Gegenargument.

Dass Leute bei Rotlicht über die Kreuzung fahren, ist kein hinreichender Grund, Ampelregelungen abzuschaffen.

Dass sich einzelen Priester nicht immer an die Zölibatsvorschrifen halten ( sollen) - ich war eigentlich noch nie dabei! - ist kein Argument gegen das Zeichen. Der verheiratete Pfarrfunktionär als Meßleser - welche Botschaft sollte der glaubhaft darstellen können? Er ist zwar von Gott begeistert, will mit ihm leben, aber doch nicht so ganz. Personale Hingabe ja- aber doch besser geteilt. Zeuge sein für die Botschaft von der Neuen Zeit des Gottesreiches - aber doch leben wie die anderen, als hätte sich nichts geändert. Was soll ein Priester, der kein Zeichen mehr ist?
Die Orthodoxen haben m. W. ein deutlich anderes Priesterbild, ich kann mir das in der Großstadt sicher nicht als anziehend vorstellen. Die Protestanten wieder haben gar keine Priester, sondern reine Funktionäre. Dazu genügt aber bei uns der Pfarrgemeinderat, oder die Pfarrsekretärin.

Dass ein Bischof nichts Tiefgreifenderes zu Thema in die Öffentlichkeit bringt, ist und war enttäuschend. Ursachenforschung und - beseitigung wäre gerfagt, nicht Ausflüchte!


m. bbr.g. Kasimir
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